Arier Flirt

Durch einen Freund bin ich auf folgendes aufmerksam geworden: MA Flirt. Dabei handelt es sich wohl um eine Art Kontaktbörse für den arischen Recken und das deutsche Mädel von nebenan. Leider ist bislang nicht sonderlich viel los auf der Seite, weswegen man in 1-2 Stunden wirklich die besten Accounts durchgesehen hat. Um es kurz zu machen, hier reiht sich Gesichtspizza an Gesichtspizza, garniert mit ein paar arischen Sprüchen oder dem T-Shirt der örtlichen Kameradschaft. Dazwischen finden sich aber auch immer wieder Schmankerl der besonderen Art (z.B. er hier: „Teddy74″ oder sie (ja wirklich SIE): „Wotansbraut“). Wenn das der Führer wüsste…der erste Gedanke ist wohl, hoffentlich vermehren die sich nicht auch noch. Andererseits, solang die unter sich bleiben, wird sich das wohl ähnlich wie beim deutschen Landadel auswirken. Bei einigen Profilen wird man dann auch feststellen können „zu spät“, hier präsentiert sich der deutsch Bub, das deutsche Mädel stolz mit Nachwuchs im Arm. Auch Kreativität sollte man den KameradInnen nicht absprechen, hier einige Beispiele für Usernamen: Tochter-Wotans, Wotan28, wotan76 usw. usf., dass gleiche gilt für alle möglichen Kombinationen mit „Wolf“ oder irgendwelchen nordischen Göttern (wobei ich mal bezweifeln würde, bei den Profilen, dass irgendwer dort in der Lage ist auch nur die MickeyMaus zu lesen und zu verstehen, aber vielleicht haben die ja die nordischen Sagen als Hörbuch oder so). Geradezu tragikomisch wirkt das der Versuch, der Autonomen Nationalisten, sich als hippe, alternative Styler zu präsentieren. Schon scheisse, wenn das Fußvolk nach wievor eher nach Trinkhalle Wanne-Eickel und nicht CBGB New York aussieht.
Also, wohl bekomms dem der einen starken Magen besitzt.

Herzlichen Glückwunsch, du alte Scheisse!

wuff
Bei der morgentlichen Spon Lektüre ist mir ein Artikel aufgefallen (der hier). Die Bundesprüfstelle für jugendegefährdende Medien (früher Schriften) ist 55 geworden. Die wohl überflüssigste aller Einrichtungen, hat jetzt schon 55 Jahre überdauert. Gerade in der Retrospektive ist sie ein interessantes Sammelsurium von Kuriositäten, die Aufschluss darüber geben von welcher Seite der Wind weht(e). Wenn von „entarteter Phantasie“ die Rede ist, weiss man wo der braune Mief saß. Ein Gremium, dass aus Pfaffen und Pädagogen besteht, darf sich in regelmäßigen Abständen zig Filme und Bücher reinziehen und entscheidet dann im Alleingang, was wohl der Jugend förderlich ist und was nicht. Während in den 50ern noch Werke wie Tarzan oder Dawn of the Dead drunter zu leiden haben, waren es später die Ärzte. Immerhin befürchtete man, dass „Claudia hat nen Schäferhund“, junge Mädchen zum Sex mit Waldi anregen würde. Wenn das der Führer wüsste! Heute beschränkt man sich auf Pornographie, Nazipropaganda und fernöstlichen Horror. Doch welchen Nutzen hat diese Institution, die eigentlich schon längst abgeschafft werden sollte? In der Zeit des Internets, bekommt eh jeder was er sehen will, obs den Pfarrern passt oder nicht, lediglich der offene Verkauf wird eingeschränkt, nicht jedoch die Verbreitung. Jeder sollte sich das anschauen, durchlesen dürfen was er möchte, gerade die sog. „Gewaltverherrlichung“ ist ein Thema für sich. Wer bestimmt das? Es ist ok, bestimmte Medien mit einer Altersfreigabe zu versehen, d´accord, aber warum soll erwachsenen, mündigen Menschen verboten werden, sich Filme anzuschauen, bei denen eine Institution beschlossen hat, dass diese nicht frei verfügbar sein dürfen? Ein Dilemma sind selbstredend die grenzwertigen Fälle. Benötigt eine Gesellschaft Nazipropaganda? Oder eben Pornographie, die in der Hauptsache aus Vergewaltigungsszenen besteht? Tendenziell ist es hier gut, dass der Staat eingreift, zumindest um die Hersteller vom Geldfluss abzuschneiden, aber eine offene Auseinandersetzung findet dadurch nicht statt, wie immer wenn es um Verbote geht. Zumal das Programm, welches durchkommt, teilweise nicht minder kontrovers ist. Ich habe lange in einer Videothek gearbeitet, deren „Abteilung hinten durch“ voller Geschmacklosigkeiten á la „Schwarze Löcher, weiss gestopft“ war, anscheinend kein Problem für die Sittenwächter.
Bis vor einiger Zeit, gab es auch eine Internetseite in der jemand dankenswerter Weise den kompletten Katalog der bpjm online gestellt hat, zum einen als „Einkaufsliste“ für allerlei Kuriositäten zu betrachten, wie auch als Gruselkabinett. Die Zahl der Indizierungen ist nach wie vor hoch, die meisten dieser „Werke“ wird man nie zu Gesicht bekommen, es kann also auch keine offene Diskussion darüber stattfinden. Mittlerweile hat die Seite ein Verbot bekommen, die Liste frei zugänglich zu machen, eben aus der Befürchtung heraus, zuviele würden das als „Shoppingliste“ betrachten. So wird still vor sich her zensiert, ohne die Möglichkeit zur Partizipation.
In diesem Sinne,
Glückwunsch, alte Scheisse.

PS: Bevor ichs vergesse, es gibt eine Doku aus den USA über deren Filmzensureinrichtung, der Film findet sich hier und ist durchaus sehenswert, da die Zensur dort noch intransparenter ist als hier.

Gottes Rottweiler

Wie ja jeder mitbekommen hat (oder hier nachlesen kann), hat sich Papst Flakhelfer der 16. dazu entschieden, ein paar – naja, sagen wir mal kontroverse – Personen zurück in seine Herde aufzunehmen. Nicht nur, dass es sich bei der Piusbruderschaft um eine rückschrittige (ist das nicht ein Grundcredo der Kirche?), verknöchterte Gemeinschaft handelt. Nein, Gottes Rottweiler hat auch einen bekannten Holocaustleugner in seine Reihen zurückgeholt. Aus diesem Anlass hab ich mal ein paar nette Sachen bei Youtube gesucht. Gefunden hab ich als erstes, das Duo Stermann und Grissemann, zwar nicht zum aktuellen Thema, aber trotzdem eine amüsante und treffende Satire auf die katholische Kirche. Aber seht selbst ;)

Und um direkt mal in den südlichen Gefilden zu bleiben, auch vom grandiosen Gerhard Polt gibts was zum Papst:

Und zum Abschluss noch was aus den rheinischen Gefilden, aus der Stunksitzung. Wenn ich mich recht entsinne, hat dieser Sketch damals zu einem kleinen Skandal geführt, da die Kirche (wie so oft in der Geschichte der Stunksitzung) versucht hat, diesen Sketch zu zensieren. Leider gibts die alte Rede nicht online, quasi ein Paradestück deutscher Unterwürfigkeit gegenüber dem Popen. Ich werds nachreichen, sobald ichs gefunden hab.

Volker P. und Hagen R. oder gemeinsam gegen Amerika

Da ich heute eh schlecht gelaunt bin, warum nicht mal was schlechtes bringen. Zappt man sich durch die „Dritten“ dieser Republik, stößt man zu später Stunde unweigerlich auf eines der vielen Kabarett Programme. Kabarett, der Name klingt schon nach Unterhaltung für Lehrer und Sozialarbeiter und genau so schauts auch aus. In der Regel findet man auf den Bühnen dieser Republik Menschen, die in schlechten Pullovern komische Zoten von sich geben. Das Publikum – ebenfalls Typ Lehrer – lacht dabei über Witze, die es schon kennt, bzw. teilt eh von Anfang an die Meinung der auftretenden „KÜnstler“.
Soviel zum Rahmen des deutschen Kabaretts, zotige alte Männer, erzählen angestaubte Politwitze einem ihnen wohlgesonnen Publikum. Eine besonders beliebte Form des Witzes, ist der gegen Amerika. Wie schon seit Jahrhunderten, steht auch hier der beliebteste Feind, jenseits des großen Teichs. Früher wars der Franzmann, heute der Ami. Dieses Kulturlose Wesen, kann der gute deutsche ja nur hassen. Hatten die Amis ja einen grenzdebilen Präsidenten, eine Kultur die nur aus Hamburger und Pommes besteht und benehmen sich im Ausland schlecht. Zwei spezielle Freunde dieses Humors, sind der Mönchengladbacher Kabarettist Volker Pispers (welcher nicht nur aussieht wie ein Lehrer, sondern – oh wunder – früher selber einer war) und der Essener Kleinkünstler Hagen Rether. Während Volker Pispers aus der typisch deutschen Position des linken Bildungsbürgers agumentiert, also – haha welch Knüller – die Amis haben einen dummen Präsidenten, ist ja auch logisch, haben ja keine Kultur, arbeitet Hagen Rether eher aus der Position eines Jürgen Elsässers oder schlimmeren Konsorten heraus. Bei ihm ist die Multi-Kulti Welt noch in Ordnung, der Feind ist schnell benannt, wer solls sein, George W. und Israel. Da lacht das Herz des Goethe Lovers und der Grünen Wählerin. Da wird munter in die Reihe der Despoten George W. Bush, neben Saddam Hussein gestellt und Ariel Sharon neben Arafat.Welche Ressentiments hier bedient werden sollen, liegt auf der Hand. Beide sind nicht nur für den anspruchsvollen Humoristen eine Qual für die Ohren, sondern auch optisch eine absolute Zumutung.

Die Frage, warum ausgerechnet in einem Land, dass 16 Jahre Helmut Kohl ertragen hat, der Hass auf Amerika so groß ist, ist eine Müßige, die ich hier nichtmal im Ansatz beantworten will. (lieber bei Dan Diner nachlesen, der hats gut zusammengefasst: Feindbild Amerika )Aber wie soll der deutsche Bildungsbürger auch eine Nation mögen, die weder Goethe kennt, noch schätzt. Die quasi das totale Gegenteil des Bildungsbürgertums in den westeuropäischen Ländern darstellt, die kann der gute deutsche ja nicht mögen. Sicherlich, es gibt einiges an Amerika zu kritisieren, von der Todesstrafe bis zum andauernden Rassismus, aber sollte der Hauptfeind nicht immer noch im eigenen Land stehen? Warum soll ich eine Nation hassen, die weltweit die einzige ist, die in der Verfassung (ja, auch ich weiss das Theorie und Praxis zwei verschiedenen paar Schuhe sind) allen Menschen die gleichen Rechte zukommen lässt, unabhängig von Rasse, Geschlecht und Religion? Warum soll ich ein Land hassen, dass Geburtsstätte sovieler Musiker ist, dass Jazz, Soul, Blues, HipHop etc.pp. groß gemacht hat? Warum soll ich über ein Land urteilen, dass Jerry Seinfeld, die Simpsons, Woody Allen, David Letterman, Conan O´Brien etc. hervorgebracht hat? Warum ein Land hassen, dass zwar keinen Goethe hat, dafür aber Virginia Woolf, Hunter S. Thompson, William S. Borroughs, Henry Miller? Warum soll ich mich mit Hochmut über diese Nation stellen, wo die Leute in diesem Land so dumm waren, 4 mal hintereinander die Birne von Oggersheim zu wählen, Angela Merkel für eine gute Politikerin halten und Benjamin von Stuckrad-Barre und Tommy Jaud für gute Autoren? Mir ist das ganze schleierhaft und ich hoffe da bin ich nicht der einzige.
Über Hagen Rether wird noch mehr zu schreiben sein, aber ich habe jetzt weder Zeit noch Lust mich weiter damit auseinander zu setzen. Jetzt wird erstmal Bier gekauft.

Heinz Strunk – Fleckenteufel (2009)

Heinz Strunk hat ein neues Buch geschrieben, sein insgesamt drittes. In der aktuellen Ausgabe der Jungle World, findet sich ein kleiner Auszug aus dem Buch. Was hat man zu erwarten? Wie in den beiden anderen Büchern des Hamburger Komikers findet sich auch hier wieder ein tragikomischer Auszug, aus der Welt des deutschen Spießbürgers. Während im ersten Werk, teils autobiographisch, der Alltag einer Kirmeskombo geschildert wurde und im zweiten das Leben eines gescheiterten Gagschreibers, geht es im neuen Buch um die Jugend in den späten 70ern. Auch hier hat der Protagonist, Thorsten, kein Glück. In der spießigen evangelischen Ferienfreizeit, muss er sich mit allerhand Sorgen umherplagen, da gibt es den besoffenen Absturz, die Mädchen die nicht mit ihm tanzen – geschweige denn noch mehr wollen – und die falsche Musikauswahl in der Jugenddisco. Kennt man die ersten beiden Romane, so kommen einem schon einige Stücke, bzw. Motive bekannt vor. Zu hoffen bleibt, dass dies im Rest des Buchs nicht der Fall sein wird. Auch bei der Zunge Europas finden sich schon einige Versatzstücke, die der geneigte Leser aus dem Debutroman, bzw. seinen Livelesungen kennt. Unklar bleibt hier, ob es sich um Lückenfüller handelt, die Strunk eingebaut hat oder aber um eine Persiflage seiner selbst, in dem er schon in seinem zweiten Buch anfängt, sich selber zu zitieren. Zuzutrauen wärs ihm. Trotzdem werd ichs mir wohl kaufen und lesen, da kaum einer in der deutschen Humorlandschaft (wenn man ihn überhaupt dazu zählen möchte) es schafft, gleichzeitig Melancholie, Schmerz, Fremdscham, Hoffnungslosigkeit, mit bissiger Satire und Situationskomik zu verbinden. Der Vergleich vom Verlag, es handele sich hierbei um ein „Feuchtgebiete“ aus männlicher Sicht, wird sich hoffentlich nicht bewahrheiten.